Investition

Mietrendite berechnen: Formeln, Praxisbeispiele und häufige Fehler

Finn Jung, Gründer und Entwickler von ImmoFluss Finn Jung Geprüft von ImmoFluss Redaktion Veröffentlicht am 6 Min. Lesezeit

Brutto- oder Nettomietrendite – welche Kennzahl zählt wirklich? Mit Formeln, einem Praxisbeispiel und den häufigsten Fehlern, die Vermieter bei der Renditeberechnung machen.

Du hast eine Immobilie im Blick und fragst dich, ob sie sich wirklich lohnt? Die Mietrendite ist die wichtigste Kennzahl, die du brauchst. Sie zeigt dir auf einen Blick, wie viel Prozent deines eingesetzten Kapitals die Immobilie jährlich erwirtschaftet – und ob der Kauf finanziell sinnvoll ist.

Was ist die Mietrendite?

Die Mietrendite gibt an, wie hoch die jährliche Mieteinnahme im Verhältnis zum investierten Kapital ist. Sie ist der schnellste Weg, verschiedene Immobilien miteinander zu vergleichen, bevor du tiefer in die Zahlen einsteigst.

Man unterscheidet zwei Varianten:

Bruttomietrendite berechnen

Die Bruttomietrendite ist die schnelle Orientierungsgröße. Die Formel lautet:

Bruttomietrendite (%) = (Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis) × 100

Beispiel: Eigentumswohnung in Frankfurt

Bruttomietrendite = (13.200 ÷ 320.000) × 100 = 4,13 %

Das klingt gut – aber dieser Wert sagt dir noch nicht, was tatsächlich in deiner Tasche landet. Dafür brauchst du die Nettomietrendite.

Nettomietrendite berechnen

Die Nettomietrendite ist realistischer. Sie zieht die nicht umlagefähigen Bewirtschaftungskosten sowie die Kaufnebenkosten ab:

Nettomietrendite (%) = ((Jahreskaltmiete − nicht umlagefähige Kosten) ÷ (Kaufpreis + Kaufnebenkosten)) × 100

Was sind Kaufnebenkosten?

Insgesamt rechne mit 5–12 % Kaufnebenkosten – je nach Bundesland und ob ein Makler involviert war.

Was sind nicht umlagefähige Kosten?

Das sind Kosten, die du als Vermieter selbst trägst und nicht auf den Mieter umlegen kannst, zum Beispiel:

Praxisbeispiel Nettomietrendite

Nettomietrendite = (10.800 ÷ 345.600) × 100 = 3,13 %

Aus 4,13 % brutto werden also 3,13 % netto – ein erheblicher Unterschied, den viele Einsteiger unterschätzen.

Was ist eine gute Mietrendite?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Als grobe Orientierung gilt:

Faustregel: Eine Nettomietrendite von mindestens 3,5–4 % gilt als Mindestanforderung für ein wirtschaftlich sinnvolles Mietobjekt.

Kaufpreisfaktor: die umgekehrte Sichtweise

Eng verwandt mit der Mietrendite ist der Kaufpreisfaktor (auch Mietpreismultiplikator). Er zeigt, wie viele Jahreskaltmieten du zahlen musst, um das Objekt zu finanzieren:

Kaufpreisfaktor = Kaufpreis ÷ Jahreskaltmiete

In unserem Beispiel: 320.000 ÷ 13.200 = Faktor 24,2

Das bedeutet: Du brauchst rein rechnerisch 24 Jahre Mieteinnahmen, um den Kaufpreis zu decken. In Toplagen wie München oder Frankfurt liegen Faktoren von 30–40 mittlerweile keine Seltenheit – was erklärt, warum Renditen dort so niedrig sind.

Eigenkapitalrendite: wenn Fremdkapital ins Spiel kommt

Finanzierst du das Objekt nicht vollständig aus Eigenkapital, lohnt sich ein Blick auf die Eigenkapitalrendite. Sie zeigt, wie viel Rendite du auf dein tatsächlich eingesetztes Eigenkapital erzielst.

Vereinfachtes Beispiel:

Eigenkapitalrendite = (1.500 ÷ 80.000) × 100 = 1,88 %

Das zeigt: Wer heute zu hohem Kaufpreis und hohem Zinssatz kauft, hat trotz ordentlicher Bruttomiete kaum echten Ertrag auf sein Eigenkapital. Die Bundesbank beobachtet den deutschen Immobilienmarkt und stellt regelmäßig Daten zu Preisen und Renditen bereit.

Schritt-für-Schritt: So berechnest du die Rendite

  1. Jahreskaltmiete ermitteln: Monatliche Kaltmiete × 12
  2. Kaufnebenkosten berechnen: Grunderwerbsteuer + Notar + ggf. Makler
  3. Bewirtschaftungskosten schätzen: Instandhaltung, Verwaltung, Leerstandspuffer
  4. Bruttomietrendite berechnen: (Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis) × 100
  5. Nettomietrendite berechnen: ((Jahreskaltmiete − Bewirtschaftungskosten) ÷ (Kaufpreis + Nebenkosten)) × 100
  6. Kaufpreisfaktor prüfen: Kaufpreis ÷ Jahreskaltmiete

Wer mehrere Objekte verwaltet, verliert schnell den Überblick über Einnahmen, Kosten und Renditen. Mit ImmoFluss hast du alle Kennzahlen deiner Immobilien zentral im Blick – inklusive Mieteinnahmen, Nebenkostenabrechnungen und Dokumenten.

Häufige Fehler bei der Renditeberechnung

Mietrendite vs. Wertsteigerung

Die Mietrendite ist nur ein Teil des Gesamtbilds. Viele Investoren kaufen Immobilien in teuren Lagen bewusst mit niedriger Rendite – weil sie auf Wertsteigerung setzen. Das ist legitim, aber riskant: laut Destatis sind die Immobilienpreise seit 2022 in vielen Regionen teils deutlich gesunken.

Wer langfristig als Vermieter erfolgreich sein will, sollte die Mietrendite als Fundament sehen – und Wertsteigerung als willkommenen Bonus, nicht als Plan A.

Lies dazu auch unseren Artikel zur Nebenkostenabrechnung für Vermieter – denn korrekte Betriebskosten sind ein unterschätzter Faktor für deine Nettomietrendite.

FAQ: Mietrendite berechnen

Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettomietrendite?

Die Bruttomietrendite setzt die Jahreskaltmiete einfach ins Verhältnis zum Kaufpreis. Die Nettomietrendite zieht zusätzlich nicht umlagefähige Bewirtschaftungskosten ab und rechnet die Kaufnebenkosten in die Investitionsbasis ein. Die Nettomietrendite ist realistischer und für Anlageentscheidungen aussagekräftiger.

Welche Mietrendite ist gut für eine Kapitalanlage?

Als grobe Orientierung gilt: Unter 3 % netto ist kaum attraktiv, 3–4 % netto ist solide (typisch für Großstädte), ab 4 % netto ist gut. Über 6 % sind möglich, aber oft mit höherem Risiko verbunden. Entscheidend ist immer Standort, Objektqualität und Finanzierungskosten.

Wie berechne ich die Mietrendite bei Fremdfinanzierung?

Bei Fremdfinanzierung berechnest du die Eigenkapitalrendite: Ziehe die jährlichen Zinskosten vom Netto-Mietüberschuss ab und setze das Ergebnis ins Verhältnis zu deinem eingesetzten Eigenkapital. Sind die Zinsen höher als der Mietüberschuss, ist der Leverage-Effekt negativ.

Was ist der Kaufpreisfaktor und wie hängt er mit der Rendite zusammen?

Der Kaufpreisfaktor (Mietpreismultiplikator) ist der Kehrwert der Bruttomietrendite. Faktor 25 entspricht 4 % Bruttomietrendite, Faktor 33 entspricht ca. 3 %. Je höher der Faktor, desto niedriger die Rendite. In teuren Städten sind Faktoren von 30–40 üblich.

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Quellen

Alle rechtlichen und steuerlichen Angaben in diesem Beitrag sind gegen diese Primärquellen geprüft. Die Gesetzestexte stammen aus dem amtlichen Angebot des Bundesministeriums der Justiz.

Stand der Prüfung: . Dieser Beitrag gibt allgemeine Orientierung für private Vermieter und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen Gesetzestexte und der konkrete Einzelfall.

Über den Autor

Finn Jung, Gründer und Entwickler von ImmoFluss

Finn Jung

Gründer und Entwickler von ImmoFluss

Privater Immobilieninvestor und Entwickler von ImmoFluss. Schreibt über die Aufgaben, die im eigenen Vermieteralltag tatsächlich anfallen.

Fachliche Prüfung: ImmoFluss Redaktion. Prüft jeden Beitrag vor Veröffentlichung gegen die im Quellenblock genannten Gesetzestexte und amtlichen Veröffentlichungen.

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